Harninkontinenz –Ungewollter Harnverlust

Harninkontinenz –Ungewollter Harnverlust

Streßinkontinenz

ungewollter Harnabgang beim Husten, Niesen, schwerem Heben, Treppensteigen, ohne Harndrang. Davon sind hauptsächlich Frauen betroffen.

Therapie:
Beckenbodentraining-Physikotherapie oder Biofeedbackkontrolle, Östrogenhaltige Salben und Scheidenzäpfchen. Wenn nach 3 Monaten keine zufriedenstellende Kontinenz erreicht wird sollte eine operative Therapie durchgeführt werden.

Dranginkontinenz

unfreiwilliger Harnabgang mit starken zwanghaftem Harndrang. Betroffen sind Männer und Frauen vor allem in höherem Alter so sowie Patienten nach Schlaganfällen.

Therapie:
Blasentraining, Elektrostimulation der Blasennerven,Medikamente

Überlaufinkontinenz:

Harnverlust bei voller Blase oder großer Restharnmenge. Bei Männern im Rahmen der Prostataerkrankung, Harnröhrenverengungen.

Therapie:
Katheterismus, Beseitigung der Ursache

Enuresis

Enuresis Nocturna – Bettnässen

Rund 60.000 Kinder in Österreich leiden an Bettnässen, das sind etwa 3 pro Volksschulklasse. Das nächtliche Einnässen ist für Eltern und Kinder eine tägliche körperliche und seelische Belastung und dennoch für sehr viele Familien ein Thema, über das man nicht spricht. Doch Abwarten, Schweigen oder Experimentieren machen das Problem nur noch schlimmer.

Bis zum vollendeten 5. Lebensjahr gilt Einnässen noch als normal. Danach sollte es beim spezialisierten Facharzt oder in einer entsprechenden Ambulanz abgeklärt werden. Die Basis-Untersuchung ist absolut schmerzfrei.

Erstuntersuchung

  • Ausführliches Gespräch
    Wichtige Inhalte des ausführlichen Gespräches mit dem Arzt/der Ärztin sind: Häufigkeit, Menge und Zeitpunkt des Einnässens, Nykturie (mehrmaliges Aufwachen wegen Harndrang) und eventuelle Symptome, die während des Tages auftreten.
  • Blasentagebuch (Miktionsprotokoll)
    Dieses Tagebuch ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Diagnose und wird vom betroffenen Kind gemeinsam mit den Eltern über einen Zeitraum von mindestens 48 Stunden geführt. Es enthält Menge, Zeitpunkt und Art der Flüssigkeit die zugeführt sowie wann und wie viel Harn ausgeschieden wird. Weiters wird dokumentiert, wann das Kind ins Bett geht bzw. aufsteht. Die aktuellen Empfehlungen schließen auch Darmentleerungen mit ein. Hier können Sie das Tagebuch herunterladen und bereits ausgefüllt zum Arzt mitnehmen.
  • Außerdem: Körperliche Untersuchung, Urindiagnostik, Ultraschall

Therapie
Oft ist eine Kombinationstherapie bestehend aus Medikamenten und Verhaltenstherapie sinnvoll und notwendig. Berücksichtigt werden muss auch, dass pro Jahr etwa 15% der Kinder spontan trocken werden.

Medikamtentöse Therapie
Desmopressin wird eingesetzt, wenn der Enuresis eine zu hohe nächtliche Harnproduktion bei normaler Blasenkapazität zugrunde liegt. Im Vergleich zur Alarmtherapie zeigt sich mit dieser Therapie ein rascherer Erfolg. Meist kann schon innerhalb weniger Tage eine deutliche Verbesserung erreicht werden. Der Botenstoff ADH (antidiuretisches Hormon) bewirkt beim gesunden Kind, dass nachts weniger Harn gebildet wird als tagsüber. Desmopressin ist ein synthetisch hergestelltes ADH und gleicht den ADH-Mangel aus, bis der Körper selbst in der Lage ist, ADH in ausreichender Menge zu produzieren.

Anticholinergika 
Anticholinergika unterdrücken gezielt die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Acetylcholin, der für das Zusammenziehen des Blasenmuskels, also für die Entleerung der Blase, zuständig ist. Sie vergrößern dadurch auch das Aufnahmevermögen der Blase und führen bei gezieltem Einsatz mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik.

Verhaltenstherapie
Wichtigstes Prinzip dabei ist es, dem Kind Verantwortung zu überlassen und ihnen zu ermöglichen, den Behandlungserfolg selbst zu kontrollieren. Positive Motivation und entsprechende Belohnungen (z.B. für die Einhaltung der Therapieempfehlungen) sind dabei ganz wesentlich für den Erfolg. Instrumente der Verhaltenstherapie sind neben der Motivation, das Führen eines Blasentagebuches (Miktionsprotokoll), Blasentraining, Änderung des Trinkverhaltens (Hauptflüssigkeitszufuhr in der ersten Tageshälfte) und klassische Konditionierung (Alarmsysteme und Weckapparate).

Alarmtherapie
Ein Sensor in der Unterhose sendet ein Signal an einen Funkwecker, der einen akustischen (es sind auch Modelle mit Vibration erhältlich) Alarm auslöst, wenn die ersten Tropfen Urin fließen. Das Kind wird aufgeweckt und kann zur Toilette gehen. Es lernt durch diese Konditionierung schon während der Blasenfüllung die Blasenkontraktion zu unterdrücken und noch vor dem Einnässen aufzuwachen. Die Therapiedauer beträgt zwischen 2 und 6 Monaten. Diese Form der Behandlung erfordert zwar Geduld, die Rückfallquote ist jedoch niedrig: Die Erfolgsraten liegen bei 80% der behandelten Kinder.

Kombinationstherapie Alarm + Desmopressin 
Liegt sowohl eine verminderte Blasenkapazität als auch eine erhöhte nächtliche Urinproduktion vor, werden Therapien auch kombiniert eingesetzt: z.B. Desmopressin + Alarmtherapie

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter
www.clubmondkind.at.